München; Seit Beginn der WM trauen sich die Deutschlandfähnchen und -Fahnen wieder vermehrt aus ihren Verstecken und Schlupfwinkeln. Pünktlich zur Paarungszeit alle 50 bis 60 Jahre überfluten sie die Straßen unseres Landes, um in kürzester Zeit für Nachwuchs zu sorgen. Doch leider gibt es bei dieser Entwicklung immer wieder tragische Opfer.
Fähnchen und Fahnen werden von Füßen unachtsamer Menschen zertrampelt, landen zwangsalkoholisiert im Schlamm oder werden auf Autobahnen während der Fahrt ausgesetzt.
Hier nun ein exklusives Interview mit einem Fähnchen, das auf der A8 gefunden wurde und nur dank intensiver Betreuung durch Spezialisten gerettet werden konnte.
dap: Hallo Herr Fähnchen! Sie sind doch männlich, nehme ich an?
F: Ja, ich bin männlich, das erkennt man normalerweise an dem Fahnenmast, aber der ist leider nicht mehr vorhanden, ich werde in Kürze eine Protese angepasst bekommen.
dap: Das sind ja schreckliche Schilderungen, sie wurden also bei ihrem Unfall entmannt!? Bitte schildern sie uns doch noch einmal kurz ihr Martyrium.
F: (hustet) Nun, wissen sie, viel von dem was abgelaufen ist habe ich vergessen. Meine Ärzte sprechen von partieller Amnesie. Es ging ja auch alles so furchtbar schnell. Alles woran ich mich noch erinnerne ist ein riesiges Fest. Tausende und Abertausende von uns waren auf den Straßen. Ich bin ja nicht mehr der allerjüngste und kann mich kaum erinnern wann je so eine ausgelassene Stimmung geherrscht hätte. Wie das so ist bei solchen Festivitäten, betrinkt man sich ein wenig, feiert ausgelassen, flirtet mit anderen Fähnchen und Fahnen und hofft abends nicht allein nach Hause zu gehen. Tatsächlich habe ich ein schickes Fähnchen gefunden, mit dem ich sofort heftig ins turteln geriet. Wir waren zwar beide nicht mehr ganz nüchtern, aber entschlossen uns, ein etwas ruhigeres Umfeld zu suchen, aus Angst wir könnten uns in der Menge verlieren. Also gingen wir zusammen zum Auto und fuhren zu ihr nach Hause. Leider führte der Weg über die Autobahn, dabei muss ich wohl die Kontrolle über den Wagen verloren haben, oder ich fuhr zu schnell. Das nächste woran ich mich erinnere ist die Sirene eines Krankenwagens und dann wurde es dunkel, bis ich Tage später hier aufgewacht bin.
dap: Sie sind wirklich gerade so mit dem Leben davon gekommen. Die Ärzte sprechen von mehreren Rissen, quer über alle Farben. Von der Sache mit dem Fahnenmast gar nicht zu reden. Woran denken sie jetzt, welches Bild haben sie von der Zukunft?!
F: Naja, bis meine Genesung vollständig ist, werde ich noch allerlei Hilfe brauchen. Aber das einzige was mich wirklich beschäftigt ist, das ich mein Fähnchen wiederfinde. Ich weiß nur ihren Vornamen und habe gehofft, dass vielleicht durch ihre Berichterstattung… aber eigentlich ist das doch sehr unwahrscheinlich.
dap: Herr Fähnchen, wir danken ihnen für dieses Interview und wünschen ihnen gute Besserung.